Förderverein für die Kirchenmusik Bennigsen e.V.
 

Samstag, 30.05.2026

Lüderser Serenade "Das VERANDIPROJECT"

Eine Serenade, die musikalische Grenzgänge und neue Hörperspektiven eröffnete

Mit der diesjährigen Lüderser Serenade fand ein Konzertabend statt, der sich in besonderer Weise vom Gewohnten abhob. Mit dem VERANDIPROJECT war ein Duo zu Gast, das bewusst musikalische Grenzen überschreitet und traditionelle Genre-Zuschreibungen auflöst.

Das Verandi Project wurde vom argentinischen Komponisten und Musiker Mario Verandi (Synthesizer) sowie der japanischen Geigerin Hoshiko Yamane (Violine) umgesetzt. Beide bringen eine beeindruckende künstlerische Biografie mit: Mario Verandi kam bereits 2001 als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD nach Deutschland und ist als Komponist auf internationalen Festivals, darunter den Donaueschinger Musiktagen, aufgetreten. Hoshiko Yamane erhielt ihre Ausbildung in Japan und Europa und ist seit 2011 Mitglied der legendären elektronischen Formation Tangerine Dream.
Gemeinsam entfalten sie ein Klangspektrum, das Elemente aus klassischer Musik, Ambient und Jazz miteinander verbindet und so ein ganz eigenes musikalisches Universum entstehen lässt. Synthesizer und Geige treten dabei in einen spannenden Dialog – mal suchend, mal antwortend, immer wieder überraschend.

Wie angekündigt, forderte das Konzert die Hörgewohnheiten des Publikums heraus. Wer sich zunächst auf die Suche nach Vertrautem begab, merkte schnell, dass es sich lohnte, diese Erwartung loszulassen und sich ganz auf das Geschehen einzulassen. Besonders eindrücklich war dabei das Zusammenspiel der Instrumente: Motive der Geige wurden vom Synthesizer aufgenommen, variiert und weiterentwickelt. So entstand ein musikalischer Fluss, der Aufmerksamkeit verlangte und zugleich neue Hörerfahrungen eröffnete. Für viele Besucherinnen und Besucher wurde gerade dies zu einem spannenden und bereichernden Erlebnis.

Zugleich zeigte sich, dass ein solches experimentelles Format auch Herausforderungen mit sich bringt. Die klangliche Präsenz des Synthesizers prägte einige Passagen besonders stark, wodurch die feinen Klanglinien der Geige zeitweise in den Hintergrund traten. Zusätzliche kurze Erläuterungen oder eine direkte Ansprache des Publikums waren nicht vorgesehen, womöglich hätten sie den Zugang zu dieser besonderen Musik noch erleichtert.

Dennoch überwog der Eindruck eines besonderen Konzertabends, der bewusst neue Wege beschritt. Gerade die Mischung aus Bekanntem und Ungewohntem, aus verschiedenen kulturellen Einflüssen – Argentinien und Japan, Elektronik und klassische Violine – machte den Reiz dieser Serenade aus.
Nicht zuletzt trug auch die bewährte kulinarische Begleitung des KiMus-Teams zur gelungenen Atmosphäre bei. Bei einem Glas Vino und den „würzigen Karls“ mit knuspriger Kruste ließ sich der Abend genussvoll ausklingen.

Ein Konzert, das anregte, herausforderte und in Erinnerung bleibt – ganz im Sinne einer lebendigen und offenen Kirchenmusikarbeit.

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Fotos: Wenke von Witzleben und Udo Niemann

Samstag, 25.04.2026

Hannover Kollektiv in der St. Martin Kirche in Bennigsen

Warum in die Ferne schweifen – Ein hochkarätiges Jazzensemble in Bennigsen

Es war ein Konzertabend, der in Erinnerung bleibt: Das Hannover Kollektiv, eine Working Band aus fünf herausragenden Jazzmusikern, gastierte am Samstag in der Bennigser Kirche St. Martin – und verwandelte den Kirchenraum in einen vibrierenden Klangraum voller Energie, Farben und feiner Zwischentöne. Etwa 60 Besucherinnen und Besucher waren gekommen und erlebten ein Programm, das zeitgenössischen europäischen Jazz in seiner ganzen Spannweite präsentierte.

Das Hannover Kollektiv, eine Band, die Zeit investiert – und das hört man. Sie versteht sich nicht als Projektband, sondern als kontinuierlich arbeitendes Ensemble, das seine Musik gemeinsam entwickelt. Diese Haltung prägte den gesamten Abend: Die Stücke wirkten organisch, atmend, voller Dialoge und spontaner Wendungen. Jeder der fünf Musiker brachte seine eigene musikalische Welt ein – Klassik, Avantgarde, freie Improvisation, Bigband Erfahrung und kammermusikalische Präzision verschmolzen zu einem gemeinsamen Klang. Das Ergebnis: Mit Claus Michael Löhr (Trompete/Flügelhorn), Thomas Zander (Saxophone), Achim Kück (Piano), Sebastian Bauer (Kontrabass) und Timo Warnecke (Schlagzeug) stand ein Quintett auf der Bühne, das mit individueller Klasse und gemeinsamer künstlerischer Tiefe eindrucksvoll zeigte, wie lebendig moderner Jazz klingen kann. Denn das Konzert spannte einen weiten Bogen durch die zeitgenössische Jazzlandschaft. Auf dem Programm standen Werke von Enrico Pieranunzi, Wayne Shorter, Alan Pasqua, Kenny Wheeler, Danny Grisset, Chris Potter und Fred Hersch – ergänzt durch Eigenkompositionen von Achim Kück.
Die Auswahl reichte von lyrischen Stücken wie Endless Stars bis zu rhythmisch komplexen Titeln wie Digital Big Foot oder The Cube. Immer wieder öffneten sich Räume für eindrucksvolle Soli: Trompete und Flügelhorn, Saxophon, Piano, Kontrabass und Schlagzeug erhielten jeweils Momente, in denen ihre individuellen Stimmen klar hervortraten – und das Publikum hörbar berührten.

Die Mischung aus anspruchsvoller Komposition, improvisatorischer Freiheit und hörbarer Spielfreude führte zu einem Abend, der das Publikum mitriss. Der Beifall zeugte davon, wie begeistert die Zuhörerinnen und Zuhörer von der Musik, der Atmosphäre und der besonderen Intensität dieses Ensembles waren.

Ein Abend, der eindrucksvoll zeigte, dass man für Jazz auf hohem Niveau nicht in die Großstadt fahren muss – denn Bennigsen bietet selbst eine Bühne, auf der Musik dieser Qualität unmittelbar erlebbar wird.

Fotos: Dorit Baumann

Samstag, 14. März 2026

Konzert zur Passionszeit in der Lüderser Marienkirche – Akkordeon Total!

Ein außergewöhnlicher Konzertabend mit Alexandre Bytchkov

Die Lüderser Marienkirche erlebte ein musikalisches Ereignis der besonderen Art: Der international ausgezeichnete Akkordeonist Alexandre Bytchkov präsentierte ein beeindruckendes Solokonzert.
Mit warmen Worten hieß Pastorin Nele Thomaier die Gäste willkommen, bevor sich die rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörer auf eine abwechslungsreiche musikalische Reise einließen. Auf dem Programm standen Werke von J. S. Bach, A. Vivaldi, Z. de Abreu, A. Piazzolla sowie weiteren Komponisten.
Bytchkov, zweifacher Deutscher Akkordeonmeister und Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe, zeigte eindrucksvoll, warum er zu den herausragenden Künstlern seines Fachs zählt. Sein Spiel war virtuos, klangvoll und voller Ausdruckskraft – mal volltönend und kraftgeladen, mal getragen und einfühlsam. Besonders bei den Werken von Sviridov und Peschkow wurde die russische Seele der Musik spürbar.
Zwischen den musikalischen Beiträgen bereicherte Gabi Rose den Abend mit feinfühlig vorgetragenen Gedichten von Mascha Kaléko, die dem Konzert eine zusätzliche poetische Dimension verliehen.
Dieser Abend war ein hochinteressantes, stimmungsvolles und rundum gelungenes Erlebnis in der Passionszeit, das den Zuhörenden noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Fotos: Michael Kleuker